Investitionen, Ganzjahrestourismus und KI gestalten die Zukunft der Branche
Bischofsgrün, 27.10.2026. Starker Winter, positive Aussichten für den Sommer und Millioneninvestitionen in neue Angebote: Die deutschen Seilbahnen zeigen, wie sich Tourismus erfolgreich an veränderte Bedingungen anpasst. Bei ihrer 37. Jahrestagung im Fichtelgebirge diskutierte die Branche über Zukunftsthemen – und darüber, wie Seilbahnen Regionen stärken, Gäste begeistern und neue Chancen für den Tourismus schaffen.
Ob alpine Bergwelt, Mittelgebirge oder stadtnaher Aussichtspunkt: Seilbahnen bringen Menschen das ganze Jahr über in die Natur, zu Erholung und besonderen Ausblicken. Dabei sind die deutschen Seilbahnen längst nicht mehr nur im Winter gefragt. Mit flexiblen Angeboten über alle Jahreszeiten hinweg beweist die Branche ihre Stärke als Motor für einen erfolgreichen Ganzjahrestourismus – und, dass sich touristische Infrastruktur auch unter wechselnden Wetter- und Wirtschaftsbedingungen erfolgreich weiterentwickeln lässt.
Die Zahlen unterstreichen diesen positiven Trend: Für die Wintersaison 2025/2026 verzeichnete der VDS-Trendmonitor insgesamt 5,43 Millionen Erstzutritte. Das entspricht einem Plus von 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Nettoumsatz stieg im selben Zeitraum um 4,14 Prozent auf 137,7 Millionen
Euro. Auch die Rückmeldungen aus den Mitgliedsunternehmen zur Sommersaison 2026 stimmen optimistisch: Sie berichten von einem hervorragenden Sommer und einem stabilen Herbst. Die abschließende Auswertung der Sommersaison steht noch aus.
„Unsere Gäste suchen bewusst nach Erholung, Natur und gemeinsamen Erlebnissen. Seilbahnen schaffen dafür vielfältige Zugänge. Dass wir mit unseren Angeboten über das ganze Jahr hinweg überzeugen können, zeigt die Stärke unserer Branche“, sagt Henrik Volpert, Vorsitzender des Vorstands des Verbandes Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte e. V. (VDS). „Wir passen uns flexibel an die Bedingungen der Jahreszeiten an und entwickeln unsere Angebote konsequent weiter.“
Millioneninvestitionen zeigen: Die Branche gestaltet den Wandel aktiv
Die deutschen Seilbahnunternehmen investieren aktiv in die Zukunft – in moderne und sichere Anlagen, Digitalisierung, ressourcenschonende Technologien, erneuerbare Energien und neue Freizeitangebote. Damit stärken sie nicht nur ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch die Attraktivität ihrer Regionen. Die Seilbahnen am Ochsenkopf im Fichtelgebirge machen beispielhaft für viele andere deutsche Seilbahnunternehmen deutlich, was erfolgreicher Ganzjahrestourismus in der Praxis bedeutet. Über fünf Jahrzehnte hinweg hat sich der Standort von einer klassisch wintersportorientierten Infrastruktur zu einem vielseitigen, ganzjährig attraktiven und zunehmend barrierearmen Erlebnisangebot entwickelt. Einen wichtigen Meilenstein markierten 2023 und 2024 die Eröffnung der neuen Kabinenbahnen an der Nord und Südseite des Ochsenkopfs, in die der Zweckverband zur Förderung des Tourismus und des Wintersports im Fichtelgebirge insgesamt 44 Millionen Euro investierte. Mit dem neuen Bikepark kam in diesem Jahr ein weiteres Angebot hinzu. Für die kommenden Jahre sind bereits zusätzliche Entwicklungsschritte vorgesehen: Ein Familienerlebnisweg und eine barrierearme Aussichtsplattform sollen ab 2027 umgesetzt werden. Die Entwicklung kommt nicht nur den Gästen zugute. Moderne Seilbahnen und attraktive Freizeitangebote stärken die touristische Wertschöpfung, schaffen Perspektiven für Betriebe und Beschäftigte und erhöhen die Lebensqualität vor Ort. Gerade in ländlich geprägten Regionen sind sie ein wichtiger Standortfaktor.
Künstliche Intelligenz: bessere Erlebnisse für Gäste, mehr Effizienz im Betrieb
Neben neuen Anlagen und Angeboten beschäftigt die Branche zunehmend die Frage, wie digitale Technologien den Seilbahnbetrieb weiter verbessern können. Künstliche Intelligenz eröffnet neue Möglichkeiten – von einem stärker auf die Bedürfnisse der Gäste zugeschnittenen Service bis hin zu effizienteren Abläufen und einer höheren Sicherheit hinter den Kulissen. Auf der Jahrestagung diskutierten die Teilnehmenden in Fachvorträgen und Workshops, wo KI einen konkreten Mehrwert schaffen kann und welche Voraussetzungen für ihren sinnvollen Einsatz notwendig sind. Entscheidend ist dabei, technologische Innovation mit Augenmaß einzusetzen und sie an den tatsächlichen Anforderungen der Unternehmen und ihrer Gäste auszurichten. „Künstliche Intelligenz ist kein Selbstzweck. Sie kann uns dabei helfen, Gästeerlebnisse noch besser zu machen, Abläufe effizienter zu gestalten und die Sicherheit weiterzuentwickeln. Entscheidend ist, dass die Technologie einen konkreten Nutzen bringt“, betont Henrik Volpert. „Gleichzeitig bleiben qualifizierte Mitarbeitende, nachhaltige Gesamtkonzepte und attraktive Angebote über alle Jahreszeiten hinweg die entscheidenden Grundlagen unseres Erfolgs.“
Fachkräfte sichern, Zukunft gestalten
Mit der zukunftsfähigen Weiterentwicklung der Branche wächst auch die Bedeutung gut ausgebildeter Mitarbeitender. Die Ausbildung des eigenen Nachwuchses ist deshalb ein zentrales Handlungsfeld der deutschen Seilbahnunternehmen. Technische Kompetenz, Verantwortungsbewusstsein und fundiertes Wissen über den sicheren Betrieb sind unverzichtbar, um moderne Anlagen zuverlässig zu betreiben und neue Anforderungen zu bewältigen. „Wer auch morgen über qualifizierte Fachkräfte verfügen will, muss heute selbst ausbilden. Die Ausbildung des eigenen Seilbahnnachwuchses ist keine Option, sondern eine Investition in die Zukunft jedes Unternehmens und unserer gesamten Branche“, betont Birgit Priesnitz, Geschäftsführerin des VDS. Der Verband unterstützt seine Mitgliedsunternehmen dabei, geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen, informiert über Voraussetzungen und Möglichkeiten der Ausbildung und begleitet Unternehmen auf dem Weg zum Ausbildungsbetrieb.
Personeller Wechsel im VDS-Vorstandsteam
Im Rahmen der turnusmäßigen Vorstandswahlen wurde Thomas Eckl, Betriebsleiter der Fürstlich Hohenzollernschen Arber-Bergbahn e. K., neu in den VDS-Vorstand gewählt. Er übernimmt das Amt des zweiten stellvertretenden Vorsitzenden von Antonia Asenstorfer von den Alpenbahnen Spitzingsee GmbH und der Brauneck- und Wallbergbahnen GmbH. Thomas Eckl engagiert sich bereits seit mehreren Jahren in verschiedenen VDS-Gremien, unter anderem im Arbeitskreis Betriebsleiter.
Gastgeber-Seilbahn gibt Einblicke in die Praxis
Den Abschluss der 37. Deutschen Seilbahntagung bildete eine Exkursion zu den Seilbahnen am Ochsenkopf. Markus Döhla und sein Team stellten die Entwicklung des Standorts, aktuelle Investitionen und die nächsten Vorhaben vor. Dabei wurde deutlich, wie moderne Infrastruktur, neue Erlebnisangebote und Barrierearmut zusammenspielen und zur langfristigen Stärkung einer ganzen Tourismusregion beitragen. „Wir freuen uns, in diesem Jahr Gastgeber der VDS-Jahrestagung gewesen zu sein. Es ehrt uns und zeigt, welche Resonanz unser Projekt weit über die Grenzen des Fichtelgebirges hinaus erfährt.“, betont Markus Döhla, Geschäftsführer des Zweckverbands zur Förderung des Tourismus und des Wintersports im Fichtelgebirge.





































